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Figureninterview mit dem Wesen

  • Autorenbild: claudia_roman
    claudia_roman
  • 7. Feb. 2020
  • 2 Min. Lesezeit

Diesmal zu Gast: Unser gestaltloser Superantagonist das Wesen


Autorin: Hallo Wesen, ich begrüße dich. Schön, dass du dir Zeit für uns nimmst.


Wesen: Sehr gerne. Sollte es jemandem entgangen sein: Ich habe einen Hang zur dramatischen Selbstdarstellung. Da konnte ich doch unmöglich diese Gelegenheit verstreichen lassen.


A: Wo wir gerade über Selbstdarstellung reden, möchtest du nicht etwas mehr Kontur annehmen? Ich kann deine physische Gestalt beim besten Willen nicht erkennen und habe die Befürchtung, dass es befremdlich wirkt, wenn ich mich mit einem leeren Stuhl unterhalte.


W: Das täte ich nur zu gerne, aber leider ist mir das nicht möglich. Aber das sollte die Qualität des Interviews nicht schmälern.

Ich muss zugeben, dass ich recht neugierig auf deine Fragen bin. Ich werde zwar nur die wenigsten von ihnen beantworten, aber alleine durch ihre Struktur, ihre Grammatik und ihre Darreichungsform, lässt sich einiges über den Fragesteller erfahren.


A: Ach! Was denn?


W: Zum Beispiel bei dieser, deiner Äußerung. Durch die zickige Intonation bemerke ich, dass du dich gekränkt fühlst. Schließlich hast du dich auf das Interview vorbereitet. Du hast dir Fragen überlegt, die für die Leser interessant sein könnten und dich gleichzeitig dem Rätsel meiner Existenz ein wenig näher bringen. Denn wie du natürlich weißt, meine liebe Claudia, ist das das übergeordnete Thema deiner Bücher.


A: So,so! Nimmst du dich da nicht ein wenig zu wichtig?


W: Du irrst. Ich überschätze mich in keiner Weise. Ich bin mir meiner Grenzen schmerzhaft bewusst. Aber du neigst dazu, mich falsch zu bewerten. Aus meiner Perspektive ist das zu begrüßen. Schließlich hat mich deine Sorglosigkeit aus dieser verfluchten Kugelwelt geführt. Aus deiner Perspektive war das allerdings ein kapitaler Fehler.


A: Also! Entschuldige, wenn ich Lachen muss. Ich bin nur die Autorin. Die größten Fehler die ich begehen kann, haben etwas mit Kommaregeln zu tun oder mit substantivierten Verben.


W: Das ist schön, dass du das so siehst. Behalte deine Naivität noch ein wenig.


A: Ich bin nicht naiv! Was soll daran naiv sein, eine blöde Horrorgeschichte zu verfassen? Zu denken, sie mache mich berühmt und einflussreich und ich schwämme nach der Veröffentlichung in einer Badewanne voll Geld, das wäre naiv. Es ist noch nicht einmal klar, ob die Bücher überhaupt jemand lesen will. Überhaupt habe ich keine Ahnung, ob das ganze Konzept überhaupt funktioniert.


W: Es wird funktionieren.


A: Und das weißte du, weil...?


W: ...ich bereits an allen denkbaren Orten war. Verstehst du? Ich war an wirklich allen Orten zu allen Zeiten.

Aber ich denke ich habe genug gehört. Jedes weitere Wort wäre nicht zielführend.


A: Nee, nee, Freundchen! Wir sind gerade erst am Anfang. Was soll das heißen, du warst an allen Orten zu allen Zeiten? Du kannst nirgendwo gewesen sein, wo ich nicht auch schon war. Du bist nicht mehr als das Produkt meiner Phantasie und meine Grenze ist auch deine....

He! Wo ist der Stuhl?

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