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Figureninterview - Mit Claudia auf dem Mond

  • Autorenbild: claudia_roman
    claudia_roman
  • 25. Sept. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

These der Woche: Humor ist theoretisch immer Gabe und Aufgabe zugleich



Bild von WikiImages auf Pixabay


Autorin: Ich bin auf dem Mond! Ich fasse es nicht! Neben dem obligatorischen Südseestrand mit weißem Sand, Palmen, die sich gegen die Postkartensee biegen und einer Hängematte mit Meerblick und neben der Kugelwelt, ist das mein allerallerallerliebster Lieblingsort.


Claudia: Mir geht es genauso.


A: Oh, Mensch! Verzeihung, ich habe Dich bei meiner ganzen Verzückung ganz vergessen.


C: Schau mal, wie hoch ich springen kann.


A: In der These der Woche soll es diesmal um Humor gehen. Was bedeutet für Dich Humor und macht die These Sinn?


C: Huiiiii!


A: Man kann es so deuten, dass Humor etwas ist, was einem angeboren ist und somit zur Gabe wird. Meinst du, da ist etwas dran oder glaubst du, dass man Humor lernen kann? Es gibt ja Menschen, die von sich behaupten, sie könnten keinen Witz erzählen, dabei ist das in erster Linie doch Technik, Erzähltechnik und die kann man lernen.


C: Boing, boing, boing!


A: Ich kann mir vorstellen, dass es Charaktereigenschaften gibt, die das Verstehen und Produzieren von witzigen Dingen begünstigt. Ich muss zum Beispiel Spaß an einer Selbstdarstellung haben, also eher extrovertiert sein. Ich brauche eine gewisse Grundintelligenz, um das Groteske an einer Musterabweichung erkennen zu können, und nicht zuletzt muss ich die Doppelbödigkeit von Worten begreifen.


C: Komm, wir hüpfen zu dem Krater dort hinten.


A: Claudia, der ist zwölf Kilometer entfernt.


C: Wir sind aber auch hier sechsmal so schnell wie auf der Erde. Schau mal, wie weit ich hüpfen kann! Huiiiii!


A: Mann! Ich will mich mit dir jetzt über Humor unterhalten. Wieso ist das verdammt nochmal nicht möglich?


C:Hier ist es so lustig! Schau, ich kann in der Luft Pirouetten drehen.


A: Vorsicht!


C: Nee, doch nicht Mist! Aua! Da liegt sie nun...


A: Hast du dir was getan.


C: ... und kommt nicht mehr auf die Füße. Der Raumanzug ist keine große Hilfe, kannst du mir aufhelfen.


A: Nix da, erst wird über Humor gestritten.


C: Na gut, sprechen wir über Humor in einer der humorlosesten, lebensfeindlichsten Umgebung, die man sich nur vorstellen kann. Im Grunde leben wir auch auf der Erde in einer Umgebung, die sich einen Scheiß um unsere Befindlichkeiten kümmert. Die Dinge existieren ohne Sinn und folgen in einer, für ein Bewusstsein kaum auszuhaltenden Trägheit und völlig emotionsfrei den Naturgesetzen. Wir haben gelernt sie physisch für uns erträglicher zu gestallten, bekommen aber ununterbrochen ihre seelenlose Gleichgültigkeit zu spüren. Von Naturkatastrophen, über Statikfehler in Gebäuden bis zum Kurzschluss, den die Kaffeemaschine verursacht hat, von schlecht verlegten Leitungen, über Probleme mit dem Internetanbieter, bis hin zur Verspätung der Bahn, überall sind wir ihre Opfer und haben dem ganzen nichts als unsere Geisteskraft entgegenzusetzen. Humor ist weder Gabe noch Aufgabe. Es ist lediglich eine Gegenstrategie, um vor der sinnlosen Interesselosigkeit, die unserer Umwelt uns gegenüber an den Tag legt, nicht den Verstand zu verlieren. Humor ist sozusagen unsere Lebens-PDA.


A: Okay, das musst du uns erklären.


C: Eine PDA ist diese Rückenmarkspritze, die unter anderem bei Geburtsvorgängen genutzt wird, um die Wehenspitzen abzumildern. Humor ist nicht dasselbe, wie Witze erzählen oder verstehen. Wenn man es aus dieser Warte betrachtet, sind in der Tat einige Leute talentierter als andere und dann hat es sehr wohl etwas mit Gabe und Aufgabe zu tun und es ist wahr, dass Humor mit dem Erkennen und Bewerten von Musterabweichungen und dem Verknüpfen von absurden Bildern zusammenhängt und dem Witz sehr ähnlich ist. Aber beim Humor fehlt die Pointe. Es ist mehr ein Zustand.


A: Hast du ein Beispiel?


C: Ja, meine aktuelle Situation. Ich kann mir gut vorstellen, wie es aussieht, wenn jemand der auf dem Mond herumgealbert, das Gleichgewicht verliert und - Achtung, hier kommt die bildhafte Verknüpfung – wie ein Käfer auf dem Rücken mit den Armen und Beinen strampelt und über Humor philosophiert. Das ist schon ein komisches Bild. Humor ist jetzt, wenn es mir gelingt, über mich selbst zu lachen. Ich mache mir dadurch meine missliche Situation erträglicher. Wenn du hingegen als außenstehender diese Situation belachst, gibt es zwei Standpunkte: Du erkennst dich in mich wieder und lachst mit mir - das ist dann Humor – oder du erhebst dich über mein Unglück und lachst mich aus – das ist dann kein Humor, sondern Sarkasmus oder sogar Zynismus. Wie du merkst, ist Humor mehr eine Überlebensstrategie, als eine Gabe oder Aufgabe.


A: Aber ich hab dich gar nicht ausgelacht.


C: Dann helf mir mal auf und lass uns zusammen den wunderbaren Erdaufgang ansehen und hoffen, dass uns unser Heimatplanet nicht auslacht. Zuzutrauen wäre es ihm, so humorlos wie er ist.

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